Preise für Öl und Gas derzeit kaum vorhersehbar
Krieg in Nahost führt zu steigenden EnergiepreisenBild: © PKartstudio, ImageBank4U - stock.adobe.com
Seit am Samstag, 28. Februar, Israel gemeinsam mit den USA den Iran militärisch angegriffen haben, ist erneut in der weltweiten Energiewirtschaft nichts mehr so, wie es zuvor war. Die Auswirkungen auf die weltweiten Märkte sind in vielerlei Hinsicht vergleichbar mit den Turbulenzen im Anschluss an den russischen Überfall auf die Ukraine ab 24. Februar 2022.
Gaspreise haben sich verdoppelt
Möglicherweise sind die Auswirkungen des aktuellen Konflikts sogar noch gravierender als der Krieg in Europa, der mittlerweile im fünften Jahr andauert. Der Grund: Die massiven Marktverwerfungen könnten länger und einschneidender verlaufen. Durch die enge Wasserstraße von Hormus, die derzeit im Wesentlichen von Iran kontrolliert wird, werden rund ein Fünftel aller weltweiten LNG- und Öllieferungen transportiert. Stand heute ist dieser wichtige Wasserweg faktisch blockiert. Die Gaspreise haben sich binnen weniger Tage zeitweise verdoppelt (bis auf über 65,00 €/MWh) und schwanken seit Kriegsausbruch deutlich. Die Angriffe Irans auf seine Nachbarn wie Katar, Saudi-Arabien oder Dubai mit anschließenden Zerstörungen der dortigen Energie-Infrastruktur schränken Lieferkapazitäten zusätzlich ein und sorgen für ein wachsendes Maß an Verunsicherung.
Straße von Hormus – Sperrung mit weltweiten Folgen. - Bild: © Pixim Stock - stock.adobe.com
Auswirkungen auf Unternehmen hierzulande
Industrieunternehmen mit variablen Energietarifen haben die Auswirkungen sofort gespürt, denn die genannten Preissprünge haben unmittelbaren Einfluss auf die Börsen, an denen sich diese Unternehmen in der Regel mit Energie versorgen. Dazu kommt, dass derzeit auch neu abzuschließende Lieferverträge häufig mit höheren Risikoaufschlägen kalkuliert werden, was die Kosten in die Höhe treibt. Wer sich langfristig zu fixierten Preisen am Markt versorgt hat, hat auch unter den gegebenen Umständen innerhalb der Laufzeit Preisgarantie und muss nicht mit Preissprüngen rechnen. Je mehr Energie beim jeweiligen industriellen Fertigungsprozess benötigt wird, desto weitreichender für die Unternehmen sind die Folgen des Krieges in Nahost.
Strompreise steigen deutlich
Der Strommarkt in Europa folgt der sogenannten Merit-Order, das bedeutet die stark gestiegenen Gaspreise wirken sich auch signifikant auf den Strompreis aus. Energie aus regenerativer Erzeugung wirkt stabilisierend auf den Strompreis. Wenn aber Wind und Sonne weniger einspeisen, wie zu dieser Jahreszeit eher üblich, können diese Effekte nicht in dem Maße durchschlagen wie etwa im Hochsommer. Auch hier sind Unternehmen mit variablen bzw. am Spotmarkt basierten Stromtarifen wesentlich stärker betroffen als Betriebe mit Festpreisen, die innerhalb der Laufzeit preisgeschützt agieren.
Prognose praktisch unmöglich
Stellt man die Frage, wie sich die Situation an den weltweiten Märkten entwickeln wird, so ist eine seriöse Vorhersage derzeit faktisch unmöglich. Redaktionsschluss des vorliegenden Textes war 48 Stunden vor Aussendung des Newsletters. Fast alle Experten vermuten, dass entscheidend für die weitere Entwicklung die Länge des Konflikts und die Dauerhaftigkeit möglicher deeskalierender Vereinbarungen zwischen den Kriegsparteien sein werden. Ein Worst-Case-Szenario wäre sicherlich ein monatelang andauernder Konflikt, der einen nachhaltigen Energiepreisschock und ein Einbrechen der Weltwirtschaft nach sich ziehen könnte.
Schutz vor Energiekrisen – Unabhängigkeit durch Eigenproduktion. Bild: © MS/AdobeFirefly
Empfehlungen für Unternehmen
Kurzfristige Maßnahmen in der gegenwärtigen Situation gibt es einige:
- Unternehmen sollten ihre Energielieferverträge prüfen. Falls Preisbindungen zeitnah auslaufen, sollte über eine möglichst frühe Festschreibung nachgedacht werden, um sich vor weiter steigenden Preisen zu schützen.
- Das Lastmanagement sollte aktiviert werden, damit Spitzenzeiten signifikant reduziert werden. Besonders stromintensive Unternehmen können über derartige Spitzenlastkappung Kosten reduzieren.
- Wer variabel einkauft, sollte die vereinbarten Preisgleitklauseln prüfen. Nur die weitgehende Vermeidung unlimitierter Preisdurchgaben schützt in derart fragilen Marktzeiten vor exorbitanten Energiepreisen.
Auch mittelfristige Maßnahmen können vor weltweiten Energiekrisen schützen:
- Wer die Eigenproduktion ausbaut, macht sich durch die eigene Photovoltaikanlage, die Batteriespeichereinheit und zum Beispiel die Abwärmenutzung unabhängiger vom Strommarkt. Industrieunternehmen können über eigenproduzierte, regenerative Energie über das Jahr gerechnet bis zu 70 Prozent ihres Bedarfs aus der eigenen Erzeugung sicherstellen.
- Wer Effizienzmaßnahmen ausbaut, reduziert seinen Energiebedarf. Das bedeutet, mehr Dämmung, effiziente LED-Beleuchtung, Prozessoptimierung, moderne, energiesparende Pumpen und Motoren helfen dabei, Energiekosten zu reduzieren.
- Auch die Diversifizierung von Energieträgern kann einseitige Abhängigkeiten abbauen: Ob Power-to-Heat-Systeme, Ausbau elektrischer Wärmepumpen oder, wo möglich, der Einsatz von Biomasse.
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(Redaktionsschluss zu diesem Text war Montag, der 23. März 2026)
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